Aiki Jiu Jitsu

Ukemi

von George S. Ledyard, Oktober 2004, www.aikiweb.com,

frei und hoffentlich sinngemäß richtig übersetzt von Peter Büchler, Mai 2005

Ukemi, die Fähigkeit, mit einem Partner eine Bewegung zu beginnen und die daraus resultierende Technik zu empfangen, ist in der Kunst Aikido die Hälfte der Praxis und genauso wichtig wie die entsprechende Technik auszuführen zu können. Aber es gibt ebenso viele Arten Ukemi zu lehren wie es Interpretationen der Techniken verschiedener Stilrichtungen gibt.

Ohne hier aber auf spezifische Stile einzugehen, kann das Üben der Technik (Waza) auf 2 Arten geschehen. Statische Technik wird unterrichtet, damit der Übende lernt, Energie aus der Erde aufzunehmen und in das Zentrum des Partners abzugeben. Es ist eine Form von Aiki, bei der Uke (derjenige, der angreift) und Nage (derjenige, der die Technik ausführt) eine Art künstlichen Kampf betreiben, indem Uke mit aller Macht mit beispielsweise einem Zupacken angreift und Nage seine Energie mit der des Partners verbindet und ihn wirft oder hebelt, ohne mit der Energie des Partners zusammenzustoßen. Nage weicht dem Angriff nicht aus. Er wünscht sich den Angriff stark, denn er profitiert davon. Er erlaubt Uke bewusst, seine Kraft vollständig zu entwickeln und übt dann, sich zu entspannen und sich mit Uke’s Energie zu verbinden, sie auf ihn zurückzuführen und die beabsichtigte Technik durchzuführen.

Beim statischen Üben ist gewünscht, dass Uke der Technik, die Nage versucht, widersteht, indem er seinen Griff mit ganzer Kraft durchführt. Er versucht nicht, die Technik zu ändern oder der Bewegung zu widerstehen. Er greift einfach mit ganzer Kraft zu und liefert seinem Partner hingebungsvoll starke Energie. Wenn der Partner die Technik noch nicht richtig beherrscht, kann Uke die Technik wirklich stoppen. Geschieht dies, sollte Nage seinem Partner dankbar für das Geschenk der starken Energie sein, weil er dadurch letztendlich stärkere Technik entwickelt. Da die Partner in ihrer Rolle als Uke und Nage wechseln, sollte dieser geistige Wettstreit keine Frage des Ego sein, bei der einer versucht, über den anderen zu herrschen. Es ist keine Frage des Gewinnens oder Verlierens; jeder versucht, bestmöglich anzugreifen, damit der Partner sich verbessert. Er hofft, wenn er an der Reihe mit der Technik ist, dass der Partner ebenfalls bestmöglich angreift. Aikido ist eine Kampfkunst, bei der die meisten Übungen mit Partner durchgeführt werden, nur mit dem Wachsen der Partner ist es möglich ,dass das eigene Wachstum stattfinden kann.

Obwohl statisches Üben gewöhnlich mit voller Energie erfolgt, wird sie verringert, um sie dem Niveau des Partners anzupassen. Ein Anfänger kann auch beim statischen Üben geringe Energie benutzen, da er sich erst einmal auf das Erlernen der Bewegungen einer neuen Technik konzentrieren muss. Es wäre für einen Älteren nicht angebracht, so hart zuzugreifen, dass er oder sie unfähig wäre, die Technik durchzuführen (zumindest nicht andauernd). Der Partner sollte immer so angreifen, dass es eine Herausforderung an sein oder ihr Können darstellt. Sie müssen arbeiten, um Erfolg zu haben, aber es muss möglich sein, erfolgreich sein zu können. Das Einzige, was man lernt, wenn die Technik immer wieder abgestoppt wird, ist, dass der Partner fortgeschrittener ist als man selbst. Das macht niemands Technik besser. Wenn jemand einen Jüngeren in solcher Weise angreift, zeugt das nicht von technischer Größe sondern von einem großen Ego.

Obwohl statische Technik dazu da ist, starke Technik (bei Nage) zu entwickeln, soll Uke die Technik nutzen, sich selbst stärker zu machen. Das Herstellen einer guten Verbindung der Zentren ist wichtig und man nutzt die Technik, um einen körperlich stärker zu machen. Uke empfängt die Technik, nimmt soviel Spannung der Technik in sich auf wie möglich. Die körperlichen Schmerzen, die dabei auftreten können, sind ein Nebenprodukt und nicht das eigentliche Ziel der Technik. Wird die Übung verantwortungsvoll durchgeführt, sollte sie Uke stärker und fähig machen, mit seiner Energie umzugehen.

Statisches Üben hat auch den Vorteil, dass es Nage erlaubt, jedes Detail der Technik genau zu betrachten. Da er Uke erlaubt, stark anzugreifen, wird er sofort merken, wenn es Schwierigkeiten beim Verständnis der Technik gibt. Die kleinste Spannungsänderung wird offensichtlich. Nage kann jeden toten Punkt in seiner Bewegung fühlen, Momente in denen Uke beginnt, sich stärker anzufühlen. Weil statische Technik langsamer als fließende Technik ausgeführt wird, ist es Nage detailliert möglich, effektive und ineffektive Aspekte seiner Technik zu analysieren; etwas, was bei fließender Technik nicht möglich oder sogar unerwünscht ist, da es hier mehr zu intuitivem Lernen kommt, basierend auf dem Fühlen einer Menge subtiler Faktoren. Deswegen ist es für Anfänger wichtig, die Basistechniken (Kihon waza) der Kunst statisch zu erlernen.

Fließendes Üben bringt einige andere Aspekte in das Uke- Nage- Verhältnis. Distanzverhalten (Ma ai) und Timing (De ai) sind beim statischen Training nicht von Bedeutung, sind jedoch beim fließenden Üben entscheidende, zusammengehörende Elemente. Fließend kann langsam geübt werden, was dem Schüler ermöglicht, den Vorgang geistig zu erfassen und dabei seine Beweglichkeit zu verbessern oder man führt die Übung in voller Geschwindigkeit aus wie ein erfahrener Angreifer dies tun würde.

Für Uke sind Distanz und Timing entscheidende Elemente. Ein zu früh ausgeführter Angriff (oder zu weit weg) wird Nage nicht erreichen oder er wird wegen der unrealistischen Distanz leicht abgewehrt. Ein zu spät ausgeführter Angriff (oder zu nah dran) öffnet Uke im Moment der Distanzverkürzung für einen Gegenangriff. Es ist äußerst wichtig, dass Uke und Nage diesem Aspekt besondere Bedeutung beimessen, weil dies zum Verständnis aller kämpferischen Interaktionen elementar ist. Ohne Verständnis für Distanz und Timing sind die geübten Bewegungen unrealistisch. Unter dieser Betrachtungsweise ist es wichtig, dass Nage Uke zu sauberen Angriffen zwingt. Wenn Uke Nage zu nahe kommt, ohne dabei wirklich anzugreifen, sollte Nage ihm seine Lücke in der Deckung (Suki) zeigen, indem er ihm einen Schlag (Atemi) verpasst, anstatt auf den Angriff zu warten. Dies geschieht besonders häufig bei der Arbeit mit dem Schwert, wenn Uke das Schwert anhebt und dabei vorwärts geht. Ein grundlegender Fehler und Nage sollte ihm sein Suki zeigen, in dem er seine Schwertspitze anhebt und Uke hinein laufen lässt. Wenn Uke versucht, aus einer unrealistisch weiten Distanz anzugreifen, sollte Nage stehen bleiben, um Uke zu zeigen, dass der Angriff ihn nicht erreicht hätte. Bei Schwertübungen überprüft Nage die richtige Distanz von Ukes Schlägen, indem er das Bokken waagrecht über dem Kopf hält.

Diese Aspekte von Ukemi werden in vielen Dojos vernachlässigt oder heruntergespielt. Viele Lehrer legen großen Wert auf die Fähigkeit Ukes, sich zu bewegen und zu fallen und vernachlässigen seine Fähigkeit zu starken, zielgenauen Angriffen mit einer Geschwindigkeit, die zu erwarten wäre, um einen unkooperativen Widersacher zu schlagen. Das Ergebnis sind Schüler, die langsame und schwache Angriffe mit einigermaßen fachmännischen Techniken abwehren können, die aber außerhalb ihres Dojo unfähig sind, bei einem professionellen Angriff ihre Energie nach außen abzugeben.

Ukemi ist zu 50% die Fähigkeit, qualitativ solche Angriffe vorzunehmen, die Nage herausfordern und ihn ständig dazu zwingen, seinen technischen Stand zu verbessern. Es ist unmöglich, höchste Meisterschaft zu erreichen, ohne meisterliche Uke zu haben, mit denen man trainieren kann. Uke sollte die feste Absicht haben, mit Griffen oder Schlägen Nages Mitte anzugreifen. Diesbezüglich gibt es einige Faktoren, die nicht richtig verstanden werden.

Engagement: Uke ist voll engagiert bei seinen Angriffen, ist aber nicht absichtlich überengagiert. Er versucht sein bestes, seinen stärksten Angriff abzugeben, mit Schnelligkeit und Energie, ohne sein Gespür für die Mitte zu verlieren, ohne selbst aus dem Gleichgewicht zu kommen. In dieser Hinsicht ist seine Aufgabe die gleiche wie die von Nage. Er nimmt sich vor, bei seinen Bewegungen jederzeit im Gleichgewicht zu bleiben. Kommt er aus dem Gleichgewicht, versucht er, dies sofort zu korrigieren und sein Gleichgewicht wieder zu erlangen. Es gibt einige Lehrer, die ihre Schüler dazu ermutigen, übertrieben engagiert anzugreifen. Obwohl es so einfacher ist, Techniken auszuführen, ist es eine schädliche Trainingsmethode, die Nage nur darauf vorbereitet, mit inkompetenten Angriffen umzugehen, und es trennt die Rollen von Uke und Nage in zwei unterschiedliche Rollen mit verschiedenen Zielsetzungen. Dies sollte nicht der Fall sein. Letztendlich sollte der einzige Unterschied zwischen Uke und Nage im Beginn der Interaktion liegen. Alle Angriffe sollten so balanciert wie möglich sein (auch wesentlich für einen kraftvollen Angriff).

Dranbleiben: Auch wenn jemand aus irgendeinem Grund langsam trainiert, sollte Uke immer die Absicht haben, seinen Partner zu schlagen (oder nach seiner Mitte zu greifen). Wenn sich Nage bewegt, sollte Uke immer versuchen, ihm zu folgen. Es ist wesentlich, dass Uke kein Bilderbuch- Ukemi ausführt, indem er sich ein geistiges Bild von einem Ziel macht und dieses Ziel angreift, egal was Uke nach Beginn des Angriffs tut. Ein Prinzip bei Aikido ist, den Geist des Angreifers zu führen, ihn zu veranlassen zu sehen, was wir ihn sehen lassen wollen und nicht ihn zu veranlassen zu sehen, was er nicht treffen soll. Dies kann nicht funktionieren, wenn keine direkte Beziehung zwischen den Partnern besteht. Einen Raum anzugreifen, der verlassen ist, zerstört jegliche lebendige Verbindung und stellt einen Bruch zwischen ihnen dar, etwas, was beim Training unbedingt zu verneiden ist. Es ist unmöglich, das Wesen des Prinzips zu verstehen, wenn Uke nicht sein Bestes gibt, um die Mitte anzugreifen. Ihm beizubringen, nicht auf eine Bewegung zu reagieren, die er sehen kann, ist grundsätzlich unehrlich und schafft einen Uke, der als Trainingspartner wertlos ist.

Absicht: Aikido ist zwar in erster Linie eine geistige Übung, aber durch den kriegerischen Kontext des Trainings erhalten wir unser Feedback. Wird das Training kriegerisch unehrlich, wird es unmöglich zu beurteilen, was jemand verstanden hat und was nicht. Somit ist es Ukes Aufgabe in seiner Partnerrolle, jeden Angriff nach bestem Vermögen auszuführen. Ein Shomen uchi ist ein Schlag zur Stirn. Es ist Ukes Aufgabe, wenn er damit angreift, den Schlag so auszuführen , als wolle er in des Partners Kopf schlagen. Es ist die Stärke dieser Absicht, die im Sinne von Aiki eine Beziehung zwischen Uke und Nage funktionieren lässt, nicht im Sinne bloßer mechanischer Bewegung. Diese „Absicht" ist ein feststehender Bestandteil des Aiki, die Aikido zu der Kunst macht, die sie ist.

Die anderen 50% von Ukemi sind die Fähigkeit, die Technik zu empfangen, die aus der Interaktion zwischen Uke und Nage entsteht. Auch dies ist ein Gebiet, auf dem unterschiedliche Interpretationen bestehen. Es ist Ukes Rolle, die erfahrbar macht, dass Aikido „Meditation in Bewegung" ist. Uke muss in seiner Rolle als Angreifer voll aufgehen und andererseits die Fähigkeit haben, von seinem Angriff in dem Moment abzulassen, wenn er von Nages Technik gekontert wird. Wenn Uke seinen Job gut macht, gibt es keine Pause zwischen dem Moment, da der Angriff endet und die Technik beginnt. Es ist eine gleichmäßige, fließende Bewegung. Auf japanisch nennt man dies Katsu hayabi, was mit „Moment des Sieges" übersetzt werden kann. Es bedeutet, dass Nage in diesem Moment Ukes Mitte hat. Wenn Nage auf diesem Niveau arbeitet, muss Uke empfänglich für jede Änderung der Energie zwischen sich und Nage sein.

Das bedeutet nicht, dass Uke für Nage einfach fällt. Wie wir zuvor bereits erklärt haben, bleibt Uke solange wie möglich im Gleichgewicht und versucht, jeden Gleichgewichtsbruch zu korrigieren. Außerdem hält er nicht an einer bestimmten Position oder Bewegung fest. Seine vorrangige Absicht ist es, seinen Geist zentriert zu halten. Teil von Ukes Training ist, das Wissen zu entwickeln, dass seine Mitte beweglich ist, unabhängig von Platz oder Bewegung. Uke hält sein Gefühl für die Mitte sogar bei, wenn er durch die Luft fliegt, sogar wenn er Kopf steht, rückwärts rollt oder vorwärts rollt.

Im kriegerischen Kontext ist Ukemi Verteidigung. In älteren Jiu Jitsu- Stilen, deren Betonung auf der Vernichtung des Gegners lag, waren Techniken sinnvoll, die entweder vernichtende Atemi waren oder Hebel, die dafür da waren, die betroffene Gliedmaße zu zerstören. Ukemi ist eine notwendige Fertigkeit, der beabsichtigten Technik zu entkommen, bevor sie vollständig ausgeführt wird. Es gibt einige Schulen, die lehren, die ganze Energie der Technik aufzunehmen, bevor man fällt oder folgt, im kriegerischen Sinn ist dies ein bisschen zu spät für Ukemi. Wenn wir auf diese Weise Aikido trainieren, dann nur, weil die Techniken, die wir ausführen, dazu gemacht wurden, den Partner wenig oder nicht zu verletzen. So kann man Ukemi durchführen und die ganze Energie fühlen, was in einer echten Kampfsituation unmöglich wäre. Wenn jemand im Kampf eine „Technik erhält", hat er bereits verloren. Es ist wichtig zu wissen, welche verschiedenen Vorgehensweisen es gibt, wenn man trainiert, sodass man entscheiden kann, welche Wahl man für sich trifft, abhängig von seinen Zielen.

Ukemi ist fast ein bisschen wie surfen. Sobald jemand die Energie der Technik wahrnimmt, bewegt er sich mit, ohne zu widerstehen. Wie beim Surfen, kann man, wenn man der Energie nicht widersteht, sich fast ein wenig frei fühlen, wenn man sich mit der großen Welle (Technik) bewegt. Aber in dem Moment, wo man sich gegen die Welle (Technik) bewegt, wird man von der überwältigende Energie besiegt. Wenn man es schafft, gerade vor der Energie zu „reiten", wird es für den Gegner schwer, einen Hebel anzusetzen oder einen Wurf härter auszuführen, als Uke fallen will. Das Geheimnis ist, die Welle nie aufhalten zu wollen. Der Angreifer muss in der Lage sein, seinen Angriff sofort aufzugeben und zu fallen , um seine Gelenke zu schonen oder einem Atemi zu entrinnen. Manchmal muss Ukemi so kontrolliert werden, dass Uke sich nicht verletzt (z.B. auf Schulter oder Kopf fällt). Dass bedeutet nicht, dass Uke mit Nage kooperiert, er reitet die Welle, das ist etwas anderes. Ein richtig guter Uke kann sich so bewegen, dass er Nage kontrolliert, ohne dass Nage es merkt. In dem Moment, da Nage Uke werfen will, fliegt er plötzlich selbst über die Matte und er weiß noch nicht einmal, wie das passiert ist.

Greift Uke mit Gleichgewicht und engagiert an, fällt Uke solange nicht, bis Nage seine Mitte nimmt (Kuzushi). Jeder Versuch, eine Technik ohne Kuzushi auszuführen, führt zu Suki oder offener Deckung, und in diesem Moment wechseln die Rollen von Uke und Nage, indem Uke den Vorteil nutzt und Kaeshi waza (Gegentechniken) ausführt oder einen Gegenangriff. Jetzt wird Uke zu Nage und Nage empfängt die Technik als Uke. Andererseits widersteht Uke Nage nicht. Wenn Uke Nages Energie widersteht, bringt er sich mit Nage zeitlich aus dem Gleichklang. Ist Nage kompetent, nutzt er den Moment, da Uke beginnt, sich zu widersetzen, durch das neue Suki, das sich ergeben hat, eine neue Technik anzusetzen, die dieses Suki füllt.

Nun trainieren wir nicht immer auf diese Weise. Es ist unangebracht, so mit Schülern zu trainieren, wenn diese noch versuchen, Basistechniken zu erlernen. Als Lernmittel benutzen wir die künstliche Bezeichnungen Uke und Nage. Das erlaubt uns, Unterschiede zu machen, wo in Wirklichkeit keine sind, um uns das Lernen einfacher zu machen. Das ist eine Vorgehensweise, die die Buddhisten Upaya oder Hilfsmittel nennen. Es bedeutet, dass wir eine Unterscheidung machen, die nicht existiert zum Zweck des Trainings. Im Kontext der Kriegskunst ist das unrealistisch. Niemand geht in Kampf und denkt, er sei Uke als der jenige, der hinfällt. Dies veranlasst Uke, mit der Erwartung eines nicht funktionierenden Angriffs anzugreifen und er nimmt das Fallen vorweg oder er folgt Nages Technik. Vorwegnehmen ist genau das, was Ukemi nicht ist. Die echte Aikidointeraktion zwischen 2 Partnern liegt in der Gegenwart, nicht in der Vergangenheit (an einem Angriff hängend, der nicht wirkt) oder in der Zukunft (fallen bevor Nage tatsächlich wirft). Das ist, was Aikido zu einer Form von Meditation macht.

Wenn Uke also angreift, greift er nur an. Er hat zu 100 % die Absicht, seinen Partner zu schlagen. In dem Moment, wo Nage beginnt, auf den Angriff zu reagieren, passt Uke sich schon den Veränderungen von Distanz und Timing und der neuen Position im Raum, die durch Nages Bewegung entstanden ist an, er lässt von diesem Angriff ab, der lediglich eine vergangene Idee war. Nage tut das gleiche; beide erlauben der Technik jederzeit, sich selbst zu ergeben, abhängig davon wie die beiden zusammen kommen. Nage legt sich nicht auf eine bestimmte Technik fest, sondern er erlaubt der geeigneten Technik sich selbst zu ergeben auf Grund dessen, wie die Partner / Gegner sich zueinander verhalten. Wenn seine Technik misslingt, wird Uke sofort selbst eine ausführen, weil Nage ihm das durch seinen Fehler vorgegeben hat.

Wenn jemand erkennen möchte, wo Aikido beginnt, eine geheimnisvolle Kunst zu werden, es ist genau hier. Wenn Uke sich dauernd Nages Energie anpasst und Nage sich dauernd Ukes Energie anpasst, wer kontrolliert das Zusammenspiel? Das ist das wesentliche Koan des Aikido. Ab einem bestimmten Trainingsniveau geht alles darum, dieses Koan zu lösen. Aber die Essenz dieses Koan offenbart sich nur durch ein tiefes Verständnis der kriegerischen Anwendung der Prinzipien, die mit der Uke- Nage- Beziehung zusammenhängen. Ohne dieses Verstehen ist Aikido wirklich nur ein Tanz, der niemandem diese Geheimnisse offenbart.