Ju- Flexibilität

In früheren Zeiten wurde der Frühling nach chinesischer  Tradition gefeiert, indem seltene Tees geschlärft, Verse gedichtet und  frische Bambussprossen verzehrt wurden. Die Bedeutung von Takenoko wie junger Bambus in Japan genannt wird, ist ein bemerkenswertes  Phänomen in Asiens Frühling. Kraftvoll empor schießend, können sich die  grünen Bambussprossen durch Beton bohren, wenn dieser zwischen ihnen und der Sonne liegt. Sie können mit solcher Energie wachsen, dass man es sogar hören kann: ein Knistern der Erneuerung in ruhiger Frühlingsnacht.

Die Energie aller Sprösslinge in der Pflanzenwelt ist  bemerkenswert, besonders wenn man bedenkt, welche Leckerbissen daraus werden. Mit nichts weiter als ein bisschen Schnur und Bambusstäben kann  ein japanischer Gärtner die Äste einer Pinie in den sonderbarsten Formen wachsen lassen. Zarte Pflanzensprosse können verändert, verbogen und  hin und her bewegt werden, jedoch solange sie leben, können sie nicht aufgehalten werden. Sie sind trotz ihrer Zartheit nicht beherrschbar.

Das Schriftzeichen für Speer sitzt auf dem für Baum. Die sprachwissenschaftliche Interpretation ist, dass das Wachstum des Baumes die Kraft eines Speerstoßes hat. Ju - die gemeinsame Vorsilbe von Judo und Jujutsu  bezieht sich auf die Kraft der Biegsamkeit. Ju ist  flexible Stärke, sanfte Macht. Es ist Zähigkeit verbunden mit Geschmeidigkeit. Es ist biegt sich, um zu bestehen. Ju ist dauerhaft weich; es empfängt statt zu widerstehen.

In gewisser Hinsicht, ist Ju, dem Angreifer die andere Backe hin zu halten  nur bezweckt diese Bewegung seine Niederlage. Der Krieger der sich bemüht, Ju in die Tat umzusetzen, kann sich nicht mit  brachialen Hammerschlägen zufrieden geben. Er braucht das empfindsame Tasten des chirurgischen Skalpells. Ju erfordert eine Beziehung zum  Gegner, körperlich beim Anfänger, mehr mental beim Erfahrenen, um Stärken und Schwächen herauszufinden. Einmal entdeckt, kann Ju verwendet werden, um diese beiden zu verbinden, das Körperliche und das Mentale. Um diese Verbindung im dynamischen Konflikt zu erhalten, müssen Muskeln und Geist des Kriegers sich den dauernd wechselnden Umständen  anpassen. Wie das Wachstum des Bambus im Frühling, ist das Ju des Kriegers nachgebend und dennoch nicht aufzuhalten - wie die Jahreszeit selbst.

Der Text stammt von Dave Lowry, übersetzt - hoffentlich korrekt - von mir. Das Original findet Ihr hier:

http://www.koryu.com/library/dlowry8.html