Aiki Jiu Jitsu

Schlagen, stoßen - Atemi waza

Mit den Atemi- Techniken erreichen wir durch Ausübung eines kurzfristig sehr hohen Drucks auf Gewebeteile des Gegners deren Schädigung oder Zerstörung. Es betrifft vor allem Muskeln, Skelett, Organsysteme und Nerven. Der Gegner wird durch Schmerzen, Bewegungs- und Bewusstseinseinschränkung von weiteren Angriffen abgehalten.

Um den Gegner zu schonen und juristischen Problemen (Verhältnismäßigkeit der Mittel zur Notwehr) vorzubeugen, sollten wir Atemi nur als vorbereitende Schocktechnik, z.B. für einen Hebel anwenden.

Beim Schlagen führen wir mit dem Arm / Bein eine kreisförmige Bewegung aus. Der Bogen sollte dabei möglichst eng geführt werden.

Vorteile des Schlages:

Wir können um eine dichte Deckung herum schlagen.

Durch die Körperdrehung und das Durchziehen der Technik erreichen wir eine große Schlagkraft, die auch bei Treffen von eher unempfindlichen Körperteilen und der Deckung den Gegner zwingt, seinen Stand zu verändern, was ihn weiter angreifbar macht.

Nachteile des Schlages:

Der Weg wird durch die bogenförmige Bewegung weiter, ist somit früher zu erkennen und abzuwehren.

Sollten wir die Technik durchziehen und nicht oder nicht voll treffen, geraten wir selbst aus dem Gleichgewicht.

Beim Stoßen führen wir mit dem Arm / Bein eine geradlinige Bewegung aus.

Der Stoß kann stechend als blitzschnelle Angriffs- oder Kontertechnik und mehr schiebend als abstoppende Technik gegen Angriffe mit großem Körpereinsatz ausgeführt werden.

Beim Stich können wir Angriffsschwung und Reichweite durch Verlagerung des Körpergewichts auf den Fußballen erhöhen.

Bei der abstoppenden Variante bleibt das Gewicht auf der ganzen Fußsohle.

Vorteile des Stoßes:

Der Weg zum Gegner ist kurz und schwer zu erkennen.

Durch den geradlinigen Energiefluss können wir eine sehr große Wirkung erzielen ohne selbst aus dem Gleichgewicht zu kommen.

Nachteile des Stoßes:

Bei einem Gegner mit einer dichten Deckung kommen wir mit der ausschließlichen Anwendung gerader Techniken schwer zum Ziel.

Beim Schlagen und Stoßen müssen wir einige wichtige Prinzipien beachten:

    • Ausholbewegungen müssen wir vermeiden, um unserem Gegner unsere bösen Absichten nicht anzukündigen. Die Schläge erfolgen ansatzlos, gleich aus welcher Position und in welche Richtung.
    • Die Technik beginnt meist mit dem Arm / Bein, danach setzt eine Hüftdrehung ein, um hinter den Atemi das Körpergewicht zu legen und ihn zu beschleunigen.
    • Wir bleiben entspannt bis unmittelbar vor dem Auftreffen, erst wenige Zentimeter davor wird die Muskulatur angespannt.
    • Wir atmen während der Ausführung aus, dabei können wir, müssen aber nicht unbedingt schreien.
    • Das hintere bzw. das Standbein drückt mit dem Auftreffen etwas nach. Wir verleihen unserer Technik sozusagen Nachdruck.
    • Bei Techniken mit dem Arm verlagert sich das Körpergewicht zu ca. 60% auf das vordere Bein. Durch einen kleinen Schritt mit dem vorderen Bein können wir die Durchschlagkraft weiter erhöhen. Unser Bein bewegt sich dabei wie die Hüfte erst kurz bevor die Hand im Ziel ist, um die Technik nicht anzukündigen. Das hintere Bein ziehen wir sofort nach.
    • Das Gleichgewicht darf nur soweit verlagert werden, dass wir nicht gezwungen sind, einen Schritt zu machen bzw. das ausführende Bein nach vorne abzusetzen.
    • Das Stoppen der Bewegung planen wir 10 – 20cm jenseits der tatsächlichen Auftrefffläche, wir wollen also durch den Gegner hindurch schlagen. (Im Training stoppen wir die Bewegung bitte etwas früher.)
    • Wir lassen den Arm / das Bein auf keinen Fall vorne stehen, auch nicht im Training zu Demonstrationszwecken für Abwehrtechniken, die sonst sowieso nicht funktionieren würden. Dann lieber langsam üben.
    • Nachdem wir den Angriff beendet haben, ziehen wir den Arm / das Bein auf dem gleichen Weg wieder zurück, nicht fallen lassen ! Alternativ zum Zurückziehen können wir auch nachsetzen durch wiederholtes Schlagen oder Greifen. Das Zurückziehen beschleunigen wir durch eine Hüftdrehung.
    • Schlagen oder stoßen wir mit der hinteren Hand, so ziehen wir die Führhand zum Kopf schützend zurück.